Warum das mit dem Marterbauer als potenzieller Finanziminister einfach nur geil und sauspannend ist

Wers ned mitgekriegt hat: die SPÖ will den Markus Marterbauer als Finanzminister nominieren. Der Marterbauer ist Ökonom von der Arbeiterkammer. Wenn man so wissen will wie er denkt, auf YouTube gibt's ganz viel Videos von ihn, von Vorträgen, Diskussionen über Videos die er für die AK gemacht hat, zb was er über den Industriestandort Österreich denkt, was er vom Schwarzblauen Budget gehalten hat usw.

Also, ich hab ned Wirtschaft studiert, ich hab ned Politologie studiert, ich bin bei keiner Partei, aber hier sind die Gründe warum ich glaube dass das eine sauspannende Wahl wäre.

1.) Der ist sowohl Experte als auch aus der Praxis. Ökonom, wirklich viel Studien gemacht, aber auch wirklich Praxisnah weil Arbeiterkammer. Wird allein deswegen interessant weil es ja immer heißt Leute die nicht aus dem Politbetrieb kommen tuns sich dann schwer als Minister irgendwas zu erreichen. Wird spannend ob es ihm auch so ergehen wird oder ob AK/Sozialpartner doch was anderes sind/ob es doch was hilft weil er sich ja vermutlich hauptsächlich mit dem Thema beschäftigt hat was in Österreich schon mal gegangen ist und wieso. Ich täte hoffen dass das doch vielleicht was anderes ist als wenn jemand aus der Wirtschaft oder von der Uni kommt.

2.) These: Das was die Sozialdemokratie noch irgendwie an Hirnzellen haben ist in der Arbeiterkammer. Das ist so eine Sache mit dem Bodenpersonal das herumläuft und um Wahlstimmen einsammelt und vertreten muss. Ich fand ja immer schon es hat schon Sinn warum die FPÖ die Arbeiterkammer abschaffen will. Ich vermute wer links ist, gescheit und sich die Politik nicht antun will aber trotzdem was erreichen will für die Menschen geht in die Arbeiterkammer und macht dort Studien und Empfehlungspapiere. Und betet halt dass Personen gewählt werden (auch innerhalb der Parteien) die bereit sind das zu hören. => mir hat mal wer erzählt die Experten der Arbeiterkammer hätten effektiv das Maßnahmenpaket vom Faymann geschrieben nach der Bankenkrise und das wär der Grund gewesen warum das eigentlich sehr sinnvoll war.

3.) Der Marterbauer hat wirklich was zu beweisen. Eben wegen seiner langen Arbeit in der Arbeiterkammer liegt es nun am ihm dem Praxisbeweis anzutreten dass all das was sie vertreten wirklich so funktioniert wie sies immer beraten. Wenn es wirklich in den Sand setzt dann kann das durchaus auch dem Ruf der Arbeiterkammer schaden. Und wie gesagt, die letzte Hirnzelle der Sozialdemokratie. Die AK hat ihren guten Ruf ja nicht von nix. Den hat sie ja weil sie ja wirklich konkret was für die Menschen tut, Beratung gibt, Prozesse ausficht. Aber die Studien und Strategiepapiere die sie im Hintergrund machen sind halt auch ein Teil davon. Und genau der Teil und somit auch ein wenig der ganze philosophische Unterbau wird jetzt getestet. Immer nur Strategiepapier schreiben und sich dann beschweren dass die Politiker nicht auf die Papiere hören oder falsch umsetzen. Selbermachen jetzt mal eine andere Kiste.

4.) Wir leben eigentlich in sauspannenden Zeiten was die Wirtschaft und die Gesellschaft angeht. Ich glaube ja dass die Gesellschaft an einem Punkt ist wo sie mit der Globalisierung ein wenig angefressen ist und durchaus langsam die Idee umgeht dass man damit wies läuft nicht ganz zufrieden ist. Das heißt dass wenn man sich in der Welt umblickt durchaus interessante Experimente am laufen sind (ich nehme da mal China und Russland die sowieso ihr Ding machen mal aus).

- Der Milei in Argentinien ders mit Hardcore Liberalismus probiert

- El Salvador wos der Bukele mit Hardcore (gewählten) Autoriatrismus versucht

- Der Trump der sich damit spielt es mit Schutzzöllen, Protektionismus und guten alten Druck der Supermacht = Zugang zu Bodenschätzen zu versuchen.

Bei uns in Europa gibt's ja Spanien die auch versuchen ihren eigenen Weg zu gehen, anders als das Reißbrett der anderen. Ich finde die Optionen als kleines Land auch mal was, eventuell auch was altes wieder zu probieren, ist gerade in diesen Zeiten gegeben (und wer Angst hat, was zu großes kann er sowieso nicht machen wenn er als erstes korrektiv Schwarze und Pinke dabei hat und auf der nächsten Ebene die EU).

Ich glaube ja eh nicht dass er jetzt irgendwas besonderes machen wird aber auch nur wirklich aktive Industriepolitik von jemanden der vielleicht wirklich vom Fach ist wäre einfach nur sauspannend.

5.) Die Sozis sind generell eine Partei die wirklich was zu beweisen hat. Und ich meine nicht jetzt mal spezifisch weil sie eine kleine Partei sind die aus der Opposition kommt. Ich glaube wirklich dass die grundlegend so sind. Das ist ja immer die Debatte von "die FPÖ ist eine destruktive Partei, die muss nix aufbauen, die können nur selber alles schlechter machen und sich dann beschweren dass alles schlecht ist". Und dann die Leute kommen mit "die Parteien sind eh alle gleich". Und da sage ich halt. NEIN, sind sie eben nicht.

Ja die Roten in Wien reden sich auch auf den Bund aus und die Roten im Burgenland reden auf "die Großkopferten Wiener" aus. Aber am Ende ist das dass die sehr wohl Dinge umsetzen und sie wissen sie werden danach beurteilt ob Wien oder Burgenland oder Kärnten leiwand sind und haben deswegen Grund zu versuchen die Sachen leiwand zu machen. Weil ihre Strategie halt sehr wohl strukturell darauf aufgebaut ist zu sagen "Hey, schauts her was und was und was nicht alles leiwand ist" und nicht "oy die pöhsen Kapitalisten und Imperialisten sind ja so pöhse und wir sind so arm".

6.) Der Marterbauer hat wirklich, wirklich, WIRKLICH was zu beweisen. Wenn man sich das Regierungsprogramm anschaut ist da ganz viel drinnen was sexy klingt aber "wenns das Budget erlaubt" dabeistehen hat. Und ganz, ganz, ganz, ganz, gaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaanz viel davon sind wirklich Herzstücke die von der Arbeiterkammer oder der Volkshilfe kommen. Sachen wie den Chancenindex für die Schulen oder die Aktion 55 Plus. Wenn er will das irgendwas davon kommen soll, muss er erstmal ein sinnvolles Budget hinlegen in den nächsten Jahren. Wenn er beweisen will dass diese anderen Dinge an die er oder zumindest die Arbeiterkammer wirklich glaubt wirklich funktionieren dann muss er sie sich wortwörtlich erst verdienen.

7.) I wüll jo nix sogn, aber ist das Regierungsprogramm ned genau das was so viel reddit immer sudert dass es haben will? Wirtschaftlich im Rahmen der Gegebenheiten links, ausländertechnisch "rechts"?

8.) Auf EU Ebene gibt's gerade ein paar sauspannende Änderungen die sich auf Österreich auswirken könnten (Stichwort MFR). Ich versteh wie gesagt nix von Wirtschaft aber es klingt als könnte jemand der sich da wirklich was auskennt da vermutlich einiges damit machen.

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Liebe Sozen:

- Hackelts was.

Wirklich. Gescheite Leute die wirklich was wollen und gleichzeitig realitätsnah sind dass sie schauen ob die Sachen wirklich funktionieren und was bringen ist mal der erste Schritt.

- Schauts dass ihr die ÖVP auch irgendwie einbindet und ihr den Bauch krault. Die ÖVP hat schon in der SchwazGrünen Koalition ganz viel Schlechte von den eigenen Hinterbänken gekriegt dass da zu viel Grün in der letzten Regierung drin war. Tuts den Stocker bitte ganz viel loben wie mutig er ist dass er ned mit den Blauen koaliert hat und überhaupt ur wichtig und nehmt öfter mal wen Schwarzen mit wenn ihr was verkündet und betont wie ur wichtig ist dass die Schwarzen da sind um zu überprüfen dass das eh leiwand ist. Es steht ja WIRKLICH was am Spiel. Ihr könnt es euch nicht leisten dass ihr diese Chance an die Wand fahrt nur weil die Schwarzen Angst haben dass wieder mal ideologisch unsichtbar sind. Jo es ist jetzt ned das Problem der Linken dass die Schwarzen gerade damit strudeln was ihre Identität ist. Ihr könnt ihnen auch nicht magisch ihre alte wohlwollend herrschaftlich christliche Identität zurückgeben aber geht's halt damit um dass sie da halt in einer vielleicht leicht anfälligen Phase sind.

- Könnts bitte verhandeln ob ned der Hans-Peter eingeladen werden könnt zur Angelobung und zumindest herb männlich beobachtend seinen "ich schau mir das genau an" Segen für die neuen Minister gibt?

Liebe Medien

- Ich weiß das ist gor ned in eurer aktuellen DNA, aber können wir vielleicht mal nur 5 Sekunden lang eine wirklich spannende Besetzung danach beurteilen dass sie eine wirklich spannende Besetzung fürs Land ist? Und ned nur "war das jetzt ein strategischer Sieg der Bableristen über die Doskolisten!" oder "haben die Roten die Verhandlungen gewonnen oder die Schwarzen?". Sondern dass genau das halt doch ein Typ ist der wirklich eine Meinung und eine Sicht auf die Welt hat und vermutlich wirklich was machen will und halt ned nur ein kleiner strategischer Bauer am Schachbrett der Sozis.

- Jetzt mal ehrlich, ja ich schimpf auch viel über die Schwarzis. Und ich mach mich auch drüber lustig dass sie keine Überzeugung mehr habenn und dass das der Grund ist warum es immer wirkt als hätte jeder ihrer Regierungen mehr Einfluss vom Partner (ob blau, grün oder jetzt vielleicht rot). Aber strategisch ist ihre Position jetzt gar nicht so dumm. Finanziminister muss das Budget retten und Kürzungen machen und kann sich die Schelte vom Wähler holen. Wenn er das wider erwarten gut macht und ma wirklich an Wirtschaftsaufschwung kriegen und wirklich mal was weitergeht bei der ernstgemeinten Integration, vielleicht hat man dann wirklich mal in der Hand gegen die Blauen.

- Kömma mal 5 Minuten ned nur zynisch sein und drüber nachdenken ob sowas vielleicht ehrlich gescheit sein könnte und sich ehrlich anschauen wie läuft oder nicht läuft anstatt nur beurteilen wer jetzt was gewonnen hat? Irgendwas, irgendwas, wir sind ein Land mit echten Menschen mit echten Problemen und ned nur ein Spiel? Kömma vielleicht mal damit experimentieren Leute zu fragen was sie erreichen wollen und wie sie das erreichen wollen und warum sie glauben dass das realistisch sein soll und ned nur "von einer Skala von Gänseblümchen bis Aubergine, wie wütend ist der Bürgermeister von Wien dass sie dasitzen"?